PSNV: Umgang mit belastenden Einsätze / DLRG bildet „Peers“ aus

Aufgrund des erhöhten Einsatzaufkommens in der Saison 2014 kam es auch in der psychosozialen Nachbereitung von belastenden Einsätzen zu einem erhöhten Bedarf im Zentralen Wasserrettungsdienst Küste (ZWRD-K).
Über einen Zeitraum von vier Wochen kam es aufgrund einer seltenen Wetterlage und starken ablandigen Strömungen zu zahlreichen Badeunfällen, notwendigen Lebensrettungen und zahlreichen Todesfällen.
Rettungsschwimmer/-innen und Ersthelfer/-innen benötigten nachfolgend eine psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) nach unterschiedlichsten belastenden (Einsatz-)Situationen, wie z. B. der teils erfolglosen Suche nach Vermissten, schweren Erste Hilfe-Fällen und Reanimationen, Todesfällen oder Leichenbergungen. Auch die angespannte Wetter- und Gefahrenlage insgesamt sorgte für große psychische Belastungssituationen!

Bislang kamen die PSNV-Kräfte zur Betreuung der DLRG-Rettungsschwimmer/-innen aus befreundeten Organisationen wie z. B. DRK, Malteser, ASB, Feuerwehr, Kirche oder Rettungsdienst.
Schon vor dem Hintergrund einer (wissenschaftlich belegten) besseren Wirksamkeit von PSNV-Kräften aus der eigenen Organisation hat die DLRG im Spätsommer 2017 in Kooperation mit dem Landesfeuerwehrverband SH für den ZWRD-K eine „PSNV-E Grundlagenausbildung“ eigener DLRG-Kräfte zu sogenannten „Peers“ durchgeführt. PSNV-E ist die psychosoziale Notfallversorgung von Einsatzkräften, die in der Regel durch ausgebildete Kameradinnen und Kameraden der eigenen Organisation durchgeführt wird.
Darüber hinaus wurde der Bestand der bereits über andere Wege ausgebildete PSNV-Kräfte in der DLRG bzw. im ZWRD-K erhoben und für den Einsatzbedarf in der bundeszentralen Datenbank abrufbar gemacht.

Im ersten PSNV-Seminar 2017 wurden im DLRG Landeszentrum und Gästehaus in Eckernförde insgesamt 17 „Peers“ für die PSNV-E ausgebildet. Es waren hier 4 Kräfte befreundeter Organisationen dabei, 13 Kräfte kamen aus der DLRG selbst. Sie sind nun entweder regional verfügbar oder im Rahmen des ZWRD-K einsetzbar.

Die durchgeführte Grundlagenausbildung entspricht den Qualitätsstandards und Leitlinien zur PSNV aus dem „Konsensus-Papier“ des Bundesamtes für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz (BBK aus) dem Jahr 2010/2012. Die DLRG nimmt hiermit ihre Fürsorgepflicht als Arbeitsgeber wahr, die für haupt- und ehrenamtliche Kräfte gleichermaßen gilt. Besonders aufgrund des Einsatzes von 16- und 17jährigen Rettungsschwimmern an der Küste muss für besonderen Schutz der Minderjährigen gesorgt sein. Verschiedene Erlasse z. B. des Innenministeriums SH geben eine Sicherstellung von Psychosozialer Prävention für Einsatzkräfte (PSNV-E) vor.

Somit hat die DLRG nun eine eigene Aus- und Fortbildungen zur PSNV innerhalb der Hilfsorganisation eigenständig sichergestellt. Und dies vor fachlichem Hintergrund: Die Wirksamkeit von PSNV-E durch organisationsfremde Kräfte beträgt nur ca. 30% im Vergleich zu Kräften der eigenen Organisation („Peers“). Peers erlangen durch „Stallgeruch“ und vergleichbare Einsatzerfahrungen Akzeptanz und besseren Zugang zu den Betroffenen. Zudem sorgt eine organisationseigene PSNV-Ansprechperson eine (notwendige) niedrigschwellige Kontaktmöglichkeit.

PSNV-E gilt u. a. für Einsatzkräfte des Rettungsdienstes und des Katastrophenschutzes, also auch über den ZWRD-K hinaus.
Die DLRG Schleswig-Holstein als Trägerorganisationen ist in der Landeskonferenz PSNV vertreten.
Alle ausgebildeten Kräfte erhalten die sogenannten PSNV-Cards als Qualifikationsausweis.