„Schleswig-Holstein lernt schwimmen“ – Das ist auch dringend nötig…!

Nach bundesweiten Erhebungen der DLRG besitzen fast 60% der Kinder am Ende der Grundschulzeit kein Jugendschwimmabzeichen und sind somit keine sicheren Schwimmer.

Über 20% der Grundschulkinder haben am Ende der 4. Klasse noch nicht einmal die Seepferdchen-Prüfung absolviert. Das belegt eine repräsentative forsa-Bevölkerungsbefragung, deren Ergebnisse im Sommer 2017 durch die DLRG veröffentlicht wurden. - Zahlen, die auch auf Schleswig-Holstein zutreffen, obwohl man im Land zwischen den Meeren und mit zahlreichen Binnenwasserflächen etwas anderes erwarten müsste!

 

„Die Seepferdchen-Prüfung stellt den Einstieg in Welt des Schwimmens dar und ist von besonderer Wichtigkeit, um Schwellenängste abzubauen und Neugierde zu wecken. – Nach der Einstiegsprüfung ‚Seepferdchen‘ ist es aber wichtig, die Schwimmfähigkeit der Kinder in weiteren Kursen zu verfestigen und sie durch Jugendschwimmabzeichen zu sicheren Schwimmern zu machen!“ so Renate Riecken, Leiterin Ausbildung der DLRG Schleswig-Holstein.

 

Als sicherer Schwimmer wird bezeichnet, wer die Disziplinen des Jugendschwimmabzeichens in Bronze („Freischwimmer“) erfüllt.

Mit dieser Auffassung steht die DLRG nicht alleine da. Sie wird unterstützt von allen Schwimmsporttreibenden Verbänden und der Kultusministerkonferenz (KMK).

 

Die Grundschulzeit war einmal die zentrale Zeit, das Schwimmen zu erlernen: Über 50% aller Schwimmer gaben im Jahr 2010 noch an, das Schwimmen im Grundschulalter erlernt zu haben, weitere 30% sogar davor.

Bei der erneuten Erhebung im Jahr 2017 erlernten nur noch 27 Prozent der Kinder das Schwimmen in der Grundschule, belegen die forsa-Umfragen aus den Jahren 2010 und 2017.

Mittlerweile haben rund 25% der Grundschulen in Deutschland und auch 108 Schulen in Schleswig-Holstein (das sind knapp 23%) keinen Zugang zu einem Schwimmbad bzw. keinen regulären Schwimmunterricht mehr, was wie Bildungsministerin Karin Prien im Schleswig-Holsteinischen Landtag noch einmal bestätigte.

Die vorgenannten DLRG-Erhebungen zeigen auch, dass es in der Bevölkerung viele Fehleinschätzungen zum Schwimmen lernen und schwimmen können bei Kindern gibt: Die Fähigkeit der Kinder, sicher zu schwimmen wird oftmals überschätzt. – Rund die Hälfte aller Schleswig-Holsteiner schätzt sich selbst aber nur als durchschnittlichen oder schlechten Schwimmer ein bzw. ist sogar Nichtschwimmer!

 

„Das sind alarmierende Ergebnisse!“, so Riecken weiter. Elternhaus, Schulen und Vereine spielen eine wichtige Rolle beim Erlernen des Schwimmens und Verfestigen der schwimmerischen Fähigkeiten. – In den vergangenen Jahren hatten wir vor allem mit dem vermehrten Wegfall kommunaler Schwimmhallen zu kämpfen, die für Ausbildungszwecke geeignet waren. Im Jahr 2017 waren es vornehmlich lange Schließungszeiten aufgrund notwendiger Sanierungsmaßnahmen wie zum Beispiel in Pinneberg, Uetersen, Elmshorn oder auch in Bad Oldesloe und Glücksburg. So ist es für örtliche Vereine und Schulen zunehmend schwieriger, Schwimmkurse für Anfänger oder Fortgeschrittene durchzuführen. – Erfreuliche Lichtblicke sind kommunale Investitionen wie etwa in das neue ‚Bad an der Hörn‘ in Kiel mit circa 25 Mio. Euro oder auch in den für 2021 geplanten Neubau des ‚Badlantic‘ in Ahrensburg mit mindestens 13,5 Mio. Euro!“

 

Die DLRG engagiert sich seit Jahrzenten in der Anfängerschwimmausbildung: Allein in den rund 100 DLRG-Ortsgruppen in Schleswig-Holstein haben im Jahr 2017 rund 2.100 Kinder die Seepferdchen-Prüfung absolviert. Weitere über 4.600 Schwimmprüfungen wurden im Bereich Jugendschwimmen und über 4.100 im Rettungsschwimmen – vom Juniorretter bis Schnorcheltaucher - abgelegt. – Aber auch diese Zahlen sind – ebenfalls bedingt u. a. durch unzureichende Schwimmhallenkapazitäten – seit Jahren rückläufig. – Dies wirkt sich nicht nur auf die Schwimmfähigkeiten in der Bevölkerung aus: Ohne Nachwuchsschwimmer fehlen den Vereinen und Verbänden auch die Nachwuchskräfte, die sich z. B. zu Rettungsschwimmern oder Schwimmtrainern ausbilden lassen.

Unter all diesen schwierigen Rahmenbedingungen sind immer wieder neue und kreative Ansätze gefragt, um der zunehmenden Schwimmunfähigkeit besonders bei Kindern und Jugendlichen entgegen zu wirken.

Die DLRG Schleswig-Holstein konnte im Jahr 2017 gemeinsam mit starken Partnern zwei unterschiedliche Projekte umsetzen, damit „Schleswig-Holstein schwimmen lernt“:

 

Um dabei zu helfen, dass alle Kinder beim Abschluss der Grundschule sicherer schwimmen können, starteten der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein, der Schleswig-Holsteinische Schwimmverband, die DLRG und die „R.SH hilft helfen-Stiftung“ bereits im Vorjahr die Aktion „Schleswig-Holstein lernt schwimmen“. Radio Schleswig-Holstein (R.SH) eröffnete die Aktion zunächst mit einem Spendenaufruf, der im Programm des Radiosenders direkt mit einer zweiwöchigen Informationsoffensive begleitet wurde. Die Moderatoren sprachen mit Experten über das wichtige Thema „Schwimmen lernen“, erklären on air, wie wichtig der Schwimmunterricht für die Kleinen ist.

In enger Abstimmung und mit Unterstützung durch das Ministerium für Schule und Berufsausbildung des Landes Schleswig-Holstein und den weiteren Partnern Landesschwimmlehrerverband sowie Schleswig-Holsteinischem Schwimmverband ist es DKSB und DLRG gelungen, für Grundschulen, die keine erreichbare Schwimmhalle in ihrer Nähe haben und so keinen regulären Schwimmunterricht anbieten können, die Teilnahme an der Aktion zu ermöglichen.

Mit insgesamt 30.000,- Euro R.SH-Spendengeldern und weiteren 8.000,- Euro aus einem Charity-Golfturnier des DKSB wurden dann in den Jahren 2016 und 2017 Schwimmkurse und Fahrten für insgesamt 9 Grundschulstandorte im Land organisiert. Hierbei konnten über 340 Kinder im Grundschulalter (3. + 4. Klassen) erreicht und – neben einer umfangreichen Wassergewöhnung – auch über 200 Seepferdchen- oder Jugendschwimmabzeichen erworben werden.

Auf den ersten Blick ein kostspieliges Unterfangen, das jedoch gezeigt hat, dass mit ehrenamtlicher Motivation und Engagement mindestens im Rahmen entsprechender Projekte, Schwimmunterricht in den notwendigen Facetten möglich und qualitativ hochwertig umsetzbar ist! – Rund 50 Schwimmlehrkräfte der Schulen und weitere externe Schwimmtrainer haben den Schwimmunterricht erteilt; pro Schule waren im Durchschnitt jeweils drei Lehrkräfte anwesend. Darunter in unterschiedlicher Anzahl die im Projekt eingesetzten Schwimmtrainer der DLRG und weitere Ehrenamtliche. – Der Schwimmunterricht wurde in verschiedenen organisatorischen Rahmen wie etwa Projektwochen (1 Schule), Klassenfahrten (1 Schule mit 2 Klassen) oder Schwimmunterricht am Vormittag (7 Schulen). – Alle drei Formen haben sich in der Praxis bewährt und sollten als Optionen für den Schwimmunterricht auch zukünftig genutzt werden.

 

 

Im Sommer 2017 kam ein weiterer Geldgeber hinzu: Die Flensburger „Peter Petersen Stiftung“ stellte den Mitgliedsvereinen im Schleswig-Holsteinischen Schwimmverband (SHSV) und der DLRG Fördermittel in Höhe von 50.000,- € zur Verfügung, um damit die Verbesserung der Schwimmfähigkeit von Kindern in Schleswig-Holstein zu fördern. – Landtagspräsident Klaus Schlie übernahm sofort die Schirmherrschaft für das Projekt.

Inhalt des Projektes ist es seitdem, möglichst vielen Kindern in Schleswig-Holstein den sicheren Umgang im Lebensraum Wasser zu ermöglichen. Gefördert werden daher Maßnahmen, die zur Schwimmfähigkeit von Kindern führen, eine entsprechende Ausbildungsqualität zum Ziel haben und zu einer Erhöhung der Ausbildungszahlen führen. Gefördert werden sowohl alle Kinder direkt, die dieses Ziel erreichen, als auch die Vereine im SHSV und der DLRG, die sich dieser umfangreichen Aufgabe ehrenamtlich widmen. – Endziel  ist die Erlangung des Deutschen Jugendschwimmpass in Bronze als Garant für sichere Schwimmfähigkeiten.

Allein durch die 15 bislang beteiligten Ortsgruppen der DLRG wurde im Rahmen dieses Projektes im zweiten Halbjahr 2017 fast 550 Kindern und Jugendlichen die Prüfung zum Jugendschwimmabzeichen Bronze abgenommen. – Die Fortsetzung der Aktion im Jahr 2018 läuft bereits.

 

Qualifizierung von Multiplikatoren

Die DLRG bildet in ihrem Landeszentrum in Eckernförde in jedem Jahr unter großem Engagement zahlreiche ehrenamtliche Multiplikatoren aus, um die Schwimmausbildung im Land nachhaltig sicherzustellen.

Die Zahl der gültigen Lehrscheine ist bereits seit Jahren auf einem hohen Niveau. Die Lizenzen von Ausbildern und Prüfern im Bereich Schwimmen und auch Rettungsschwimmen haben 2017 mit deutlichem Abstand zum Vorjahr ein Allzeithoch erreicht!

Somit verfügt die DLRG in Schleswig-Holstein über eine stetig steigende Zahl von – rein ehrenamtlich tätigen – Ausbildern und Prüfern im Schwimmen (205) und Rettungsschwimmen (137) und 432 Lehrscheininhaber Schwimmen/Rettungsschwimmen, was einer „Trainer C –Lizenz“ entspricht. Auch in 2017 wurden zahlreiche Lehrscheininhaber (29, Ausbildungsassistenten Schwimmen (62) bzw. Rettungsschwimmen (50) und Ausbilder Schwimmen (41) bzw. Rettungsschwimmen (32) neu ausgebildet.

In der Schwimmausbildung selbst ist die Wassergewöhnung zum Einstieg ein wichtiger Faktor. Zu Qualitätssicherung hat die DLRG 89 Multiplikatoren hierfür ausgebildet.

Auch im Bereich der Prävention und der Aufklärungsarbeit, wie zum Beispiel auf Großveranstaltungen werden jedes Jahr zwischen 600 und 800 Kinder über die Gefahren am und im Wasser und das richtige Verhalten aufgeklärt. Das Projekt „DLRG im Kindergarten“ hat im Jahr 2017 über 150 Kindertagesstätten besucht und fast 2.400 Kinder erreicht. – Über 40% dieser Kinder waren Nichtschwimmer!